Bereits über 35 #fastandfemaleSUI-Gruppen bieten Frauenausfahrten in der ganzen Schweiz an. Egal, ob gemütliche Feierabendrunden oder harte Ausfahrten, jung oder alt, alle sind willkommen. Die #fastandfemale-SUI-Gruppenleiterin Iris Lambeck aus Basel spricht über ihre Anfänge, die Chancen für den Frauenradsport in der Schweiz und ihre Leidenschaft für das Projekt.
Die #fastandfemaleSUI-Gruppe aus Basel gehört mit euren sechs Guides zu einer der grössten Gruppen der Schweiz. Wie hat das bei euch begonnen?
2019 gab es dank einer öffentlichen Whatsapp-Gruppe die ersten locker organisierten Frauenausfahrten. Das ganze wurde aber erst 2020 strukturierter, nachdem sich Sybille und Nicole, zwei unserer Guides, bei #fastandfemaleSUI gemeldet hatten. Folglich legten wir dank den gesammelten Erfahrungen Rahmenbedingungen für unsere Ausfahrten fest. Uns war wichtig, eine verlässliche Regelmässigkeit mit geplanten Touren und jeweils zwei Guides zu bieten.
Ihr bietet drei verschiedene Gruppen-Ausfahrten an, veranstaltet verschiedene Workshops und besucht gemeinsam Events. Welche Chancen siehst du für die #fastandfemaleSUI-Community in der Zukunft?
Ich sehe ganz hervorragende Chancen für die #fastandfemaleSUI-Community in der Schweiz! Ich erlebe bei jeder Ausfahrt, wie viel Spass es allen macht. Aus den Ausfahrten bilden sich auch immer wieder kleinere Grüppchen, die neben den Gruppenausfahrten etwas zusammen unternehmen und die gleichen Interessen ausserhalb des Radsports teilen. So sind zum Beispiel bereits einige Fahrerinnen zusammen nach Mallorca gereist, um zusammen in der Sonne zu trainieren.Hinzu kommen die Events und Rennen, an welche wir gemeinsam fahren. Das sind auch immer sehr tolle Erlebnisse.
Wie wichtig ist der Gruppenaspekt?
Ich bin mir sicher, dass sich einige der Teilnehmerinnen ohne die Sicherheit unserer Gruppe nicht alleine an die Veranstaltungen trauen würden. Auch die Möglichkeit, sich mit verschiedenen Frauengruppen aus der ganzen Schweiz zu vernetzen und auszutauschen, ist sehr wertvoll für die Community. Wir können gegenseitig unser Wissen und unsere Fähigkeiten verbessern und profitieren voneinander.
Die Vision von #fastandfemaleSUI ist es, mehr Frauen für den Radsport zu begeistern und bestmöglich auch Quereinsteigerinnen für den Rennsport zu motivieren. Wie beurteilst du den Transfer vom Breiten- zum Leistungssport?
Momentan sind die wenigsten unserer Teilnehmerinnen am Leistungssport interessiert. Mit dem steten Ausbau des #fastandfemaleSUI-Netzwerks sehe ich jedoch Chancen, dass sich in Zukunft mehr Quereinsteigerinnen finden lassen. Dank vielen #fastandfemaleSUI-Gruppen in der ganzen Schweiz wird es für Mädchen leichter sein, Gruppen zu finden und den Sport in einem sicheren Umfeld auszuprobieren. Gemeinsame Reisen an Veranstaltungen und Rennen könnten dann eine weiteren Vorgeschmack auf den Rennsport geben.
Hattet ihr bereits Quereinsteigerinnen, die in den Rennsport umgestiegen sind?
Nein, nicht wirklich. Wir haben immer wieder Interessierte, die sich an einigen Veranstaltungen versuchen, doch Leistungssport würde ich das nicht nennen. Unsere neuste Leistungsgruppe, die «BALLERinas», hat jedoch ein grosses Potential, mehr Frauen für Rennen zu interessieren. Diese Gruppe ist etwas leistungsorientierter, und die Mitglieder sind auch jünger und wollen in jeder Ausfahrt Vollgas geben.
In welchem Alter ist es besonders schwierig, neue Mitglieder zu finden?
Bis wir die «BALLERinas»-Gruppe angeboten haben, hätte ich gesagt, dass junge Frauen am schwierigsten zu begeistern sind. Nun haben wir Teilnehmerinnen jeden Alters. Insofern gibt es keine schwer zu rekrutierende Altersgruppe. Es ist nur schwer, eine stabile Kerngruppe mit Fahrerinnen der gleichen Alterklasse zu bilden, denn gleich und gleich gesellt sich gerne.
Was motiviert dich, wöchentlich Gruppenausfahrten anzubieten?
Ich habe sehr viel Freude daran, der (mit-)Grund zu sein, dass andere Frauen zusammenfinden und gemeinsam eine schöne Zeit verbringen. Ich helfe, berate und erkläre gerne und geniesse die gemütlich geschwätzige Atmosphäre sehr. Als ich vor 18 Jahren mit dem Radsport begonnen habe, gab es noch keine Damensättel oder spezielle Velohosen für Frauen, ich musste alles selber nach und nach lernen. Viel hat sich in den letzten Jahren verändert, doch nach wie vor geht ein Einstieg in den Radsport nicht ohne eine helfende Hand. Und die bin ich gerne.
Welcher Aspekt gefällt dir bei #fastandfemaleSUI am meisten?
Die Förderung des Frauen (Rad)sports im Allgemeinen steht für mich definitiv im Vordergrund. Viele Jahre bin ich als Frau bei den Herrenklassen mitgefahren, weil es keine Frauenwertung gab. Nun ist es sehr schön zu sehen, wie sich dies unter anderem dank Gruppen und Projekten wie #fastandfemaleSUI entwickelt hat. Ich bin sehr stolz darauf, ein Teil davon zu sein und die Entwicklung voranzutreiben. Natürlich sind die Vergünstigungen für Events und attraktiven Angebote für Veranstaltungen, Workshops und Trainings auch sehr toll.
Wenn du einen perfekten #fastandfemaleSUI-Event planen könntest, wie würde dieser aussehen?
Am perfekten #fastandfemaleSUI-Event wären idealerweise so viele Gruppen aus der ganzen Schweiz wie möglich vertreten. Dies würde das Gefühl der flächendeckenden Community verstärken. Dann bräuchten wir genügend Zeit, um uns auzustauschen, Visionen zu teilen und eventuell auch Aktionen zu planen. Ein wissenschaftlicher Input zum Thema Frauen im Sport wäre auch einmal sehr interessant. Zum Schluss darf eine Ausfahrt auf dem Velo oder ein Technikworkshop natürlich nicht fehlen. Denn die Leidenschaft für den Radsport steht nach wie vor im Zentrum.